Amstetten, "F." und der ganze Scheiß

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Amstetten, "F." und der ganze Scheiß

Beitragvon Darklord Extropy » 20.03.2009, 17:09

So, meine Lieben.

Josef F. (darf man jetzt eigentlich legal seinen vollständigen Namen nennen?) kommt für immer in den Knast, wo er auch hingehört und seiner Familie...

Ja, das ist das Problem.

Die Primitivlinge hier in meinem Land fordern "hängts ihn auf", was überhaupt keinen Sinn macht. Ich meine, ja... der F. ist schon ein grauslicher Gauner, aber meinen Rechtsstaat (und dazu gehört für mich der Verzicht auf die Todesstrafe und ähnlichen menschenverachtenden Unfug) gebe ich für diese widerwärtige Kreatur SICHER NICHT auf.

Was machen wir aber mir der Familie?

So viele Menschen, immer hin die Tochter + 6 vom Vater gezeugte Kinder, sind in einer fürchterlichen Lage, denen gehts DRECKIG.

Hm.

Die Strafe für F. ist gerechtfertigt, entspricht unseren Standards in Österreich und paßt genau.

Aber, was meints Ihr?

Kann man den Opfern (nicht nur die Tochter, sondern auch ihre Kinder) jemals ein normales Leben gewährleisten? Können die jemals z.B. normal einen Beruf ausüben, Hobbies nachgehen, saufen und feiern gehen, Partner erwählen und zurückweisen, in einen normalen Urlaub fahren, auf der (z.B.) Donauinsel faul herumliegen, ohne daß da immer der Schatten von den Taten ist, die F. begangen hat?

Eigentlich möchte ich gerne kotzen. Das ist mein Ernst. F. bringt mich zum Kotzen - aber mehr als er das, was seine Opfer erleiden müssen, immer noch. Die 24 Jahre im Keller, die sind nicht vorbei, gebts Euch nicht dieser Illusion hin, da sind ganze Menschenleben für immer zerstört worden, das kann man nicht gutmachen.

Trotzdem, mehr als lebenslange Haft für F. zu fordern, das wäre die Forderung nach der Abschaffung von Rechtsstaat und Menschenrechten und damit inakzeptabel. Außerdem - selbst wenn man F. aufhängt, so wie die Primitivlinge das fordern, seinen Opfern gehts nacher nicht besser.

Wie siehts eigentlich mit der Effektivität der Therapiemöglichkeiten aus? Sind wir inzwischen über das saudumme "omg Du bist so arm und ich versteh Dich" hinaus? Gibts echte Hilfe? So daß die ein normales Leben mit allem Drum und Dran führen können? So richtig mit Erfolgserlebnissen und den (nötigen) Niederlagen, die erst zusammengenommen das Leben süß machen?
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Re: Amstetten, "F." und der ganze Scheiß

Beitragvon Rebecca E. » 20.03.2009, 17:16

Mit Rache alleine ist es nicht getan.

Zu der aufrichtigen Einsicht gehört auch noch die Wiedergutmachung. Ok, das dürfte schwierig zu bewerkstelligen sein.

Mißbrauch in welcher Form auch immer hinterläßt entsprechende Narben.

Es hört nicht auf. Irgendwann kommen immer wieder Erinnerungen hoch.
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Re: Amstetten, "F." und der ganze Scheiß

Beitragvon ric » 20.03.2009, 17:37

Darklord Extropy hat geschrieben:Wie siehts eigentlich mit der Effektivität der Therapiemöglichkeiten aus? Sind wir inzwischen über das saudumme "omg Du bist so arm und ich versteh Dich" hinaus? Gibts echte Hilfe? So daß die ein normales Leben mit allem Drum und Dran führen können? So richtig mit Erfolgserlebnissen und den (nötigen) Niederlagen, die erst zusammengenommen das Leben süß machen?
Meines Wissens nach ist der derartige Ansatz bei traumatisierten Opfern (Flücht, Terroranschlag, Krieg, Katastrophe, Vergewaltigung, Verlust eines Kindes...) eine ständige Konfrontation mit geleiteter Aufarbeitung.

D.h. sie werden erst in die Lage gebracht über das geschehen zu sprechen, und dann über diesen Punkt hinauszugehen und für sich Perspektiven aufzubauen.
Wichtig ist dabei der Austausch mit anderen Opfern --> gegenseitige Hilfe.

Das Problem ist nämlich, dass die Erinnerungen an das Trauma nicht unterdrückt werden, sondern die Fähigkeit sie auszusprechen blockiert ist.
Über diese Hürde müssen sie rüber.

Erschwerend im oben genannten Fall kommt noch, dass viele Jahre kein Kontakt zu anderen Menschen da war. Sie müssen also zusätzlich noch lernen, soziale Bindungen einzugehen.
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