NLP: (1) VAKOG und die Accessing cues

Von Wissenschaften und Technik ...

Moderatoren: Zebra, Maude, Moderation

NLP: (1) VAKOG und die Accessing cues

Beitragvon Doc Extropy » 01.12.2007, 12:40

Richard Bandler hat geschrieben:NLP is a user manual for your brain.


So, meine Lieben... ich denke, ich kann mal wieder was beitragen, was Euch helfen kann im allgemeinen Umgang mit Mitmenschen. Zuerst mal: alle Threads, die ich hier eröffnen werde und die mit "NLP: " beginnen stellen NUR (!) Modelle dar, die Ihr entweder annehmen oder ablehnen könnt.

Ich selbst werde mich zu jedem dieser Modelle am Anfang äußern, ob ich es für nützlich befunden und deshalb angenommen habe oder nicht.

Hier noch ein kleiner Einführungslink:

http://de.wikipedia.org/wiki/Neurolingu ... rammierung

Nur vorab noch eins: NLP ist KEINE Wissenschaft! Dinge werden nicht nach ihrer Nachvollziehbarkeit oder ihrer Reproduzierbarkeit beurteilt sondern rein nach ihrer Nützlichkeit. Zwar wird meine theoretische Abhandlung über die Vorannahmen des NLP einen späteren Thread beschäftigen, aber zwei Vorannahmen möchte ich trotzdem hier noch zitieren, da sie im Kontext dieser kleinen Wissensvermittlungsübung für mich bereits geeignete Modelle darstellen und ein wenig Offenheit gegenüber den Dingen, die ich hier in der nächsten Zeit bringen werde, mit sich bringen sollen:

Die Landkarte ist nicht das Gebiet

und

Menschen treffen innerhalb ihres Modells von der Welt grundsätzlich die beste ihnen mögliche Wahl

Das hier vorgestellte Modell ist für mich ausgesprochen nützlich, ich benutze es selbst und fahre damit ausgezeichnet.

Der Grund, warum ich es am Anfang bringe (anstatt hier zuerst theoretische Grundlagen zu behandeln) ist der, daß ich zuerst eine Art interessantes Bonbon bringen möchte, welches blitzschnell angewendet werden kann (das hier war das Erste, was ich jemals erfolgreich aus der NLP verwendet habe) ohne wirklichen Lernaufwand.

Die Konzepte "Trance", "Rapport" und dergleichen sind komplizierter und ich werde mich da ab da dann auch das von mir üblicherweise benutzte Modell zur Gestaltung von Präsentationen halten (Resourcing -> Informing -> Debriefing / Future pace). Aber fangen wir mal mit etwas lustigem und sofort einsetzbarem an:

--- VAKOG ---

Die Wahrnehmungskanäle des Menschen:

Visuell - Sehen
Auditiv - Hören
Kinesthätisch - Fühlen
Olfaktorisch - Riechen
Gustatorisch - Schmecken

Also die fünf grundsätzlichen Sinne des Menschen, wobei der kinesthätische Sinn auch das emotionale Innenleben des Menschen betrifft und nicht nur die Haptik und der olfaktorische mit dem gustatorischen Sinn einerseits stark zusammenhängt und darüber hinaus nicht all zu große Bedeutung im Rahmen der regulären zwischenmenschlichen Kommunikation hat, die wir mit NLP beeinflußen und optimieren können.

(Es gibt einige Ausnahmen, dazu werde ich mich in einem späteren Thread äußern, allerdings hat das nicht direkt etwas mit NLP zu tun.)

Das Prinzip, das ich hier behandeln werde, geht über die bloße Darstellung der 5 Wahrnehmungskanäle natürlich hinaus, sonst müßten wir nicht darüber reden - die 5 Sinne sind ja jedem hier bekannt. ;)

Es ist jetzt so, daß jeder Mensch einen oder zwei dieser Wahrnehmungskanäle bevorzugt zur Abrufung von Erinnerungen, zum Denken und im Bereich der Sprache einsetzt. Mike Pilinski schätzt in seinem Buch "Without embarassment" folgende Anteile der Bevölkerung:

60% - Visuell
30% - Auditiv
10% - Kinästhetisch

Das deckt sich in etwa mit meinen Erfahrungen.

--- Die Acessing cues ---

Das ist fast zu schön um wahr zu sein - ein Blick in die Augen des Gegenübers genügt, um seinen bevorzugten Wahrnehmungskanal festzustellen.

Die Augen des Menschen bewegen sich beim Einleiten eines Denkvorganges in eine Richtung. Es gibt zwei Vektoren:

1. oben / unten - das gibt den Wahrnehmungskanal an

2. links / rechts - das gibt die zeitliche Orientierung an (mit einer Ausnahme, dazu unten mehr)

--- Zum Wahrnehmungskanal (vertikaler Vektor) ---

  • Blick nach oben: Aktivierung visueller Erinnerungen oder Denkvorgänge
  • Blick nach vorne: auditive Aktivität des Gehirns
  • Blick nach unten: kinesthätische / emotionale Aktivität

Ein kleines Problem dabei besteht darin, daß der auditive Wahrnehmungskanal ein bißchen schwierig zu identifizieren ist, da man nicht immer leicht unterscheiden kann, ob der Blick tatsächlich nach vorne gerichtet ist, da hilft nur Übung. ;)

--- Der Zeitvektor (horizontal) ---

Das ist noch einfacher - aus der Sicht des Denkenden sieht das aus wie eine Zeitleiste. Allerdings gilt das nicht für den kinästhetischen Wahrnehmungskanal.

Für den visuellen und den auditiven Wahrnehmungskanal gilt:

  • Blick nach links: Abrufung von Erinnerungen
  • Blick nach rechts: Konstruktion neuer Gedanken, Formulierung von Sätzen


Bei kinästhetischen Wahrnehmungskanal sieht die Sache anders aus, hier findet fast nur der Blick nach rechts unten statt, das dürfte meiner Einschätzung nach damit zusammenhängen, daß:

a) Gefühle einen wesentlich älteren Bereich des Gehirns betreffen

b) Gefühle durch Abrufung wieder aktiviert werden (dazu kommt dann demnächst mal mehr von mir zum Thema "Anchoring" ;))

und

c) Gefühle daher eine ständige, die Realität modifizierende Realität darstellen ("ich fühle, also bin ich")

Sollte ich dazu mehr Informationen bekommen, werde ich das in diesem Thread ergänzen.

--- Bewegte Augen während des Denkvorganges ---

"Der Sonnenuntergang über den Bergen war wunderschön."

Oft laufen Denkvorgänge zweistufig ab. Die erste Blickrichtung gibt die Erinnerung an, danach bewegen sich die Augen in jene Richtung, die zur Abbildung der erinnerten Realität in Sprachmustern erforderlich ist.

Im gezeigten Beispiel hat meine Gesprächspartnerin zuerst nach unten geblickt und dann nach oben. Das bedeutet hier, daß sie zuerst emotionale Erinnerungen abgerufen und danach durch eine visuelle Repräsentation dargestellt hat, was darauf schließen läßt, daß sie den Sonnenuntergang so schön empfunden hat, weil er so schöne Gefühle in ihr ausgelöst hat.

Ein gutes Beispiel für den kinesthätischen Typ. ;)

--- Herstellung einer Situation, die eine Identifikation des bevorzugten Wahrnehmungskanals erlaubt ---

Mein Standardspruch lautet:

"Erzähl mir mal von Deinem letzten Urlaub."

Und dann heißts beobachten (und zuhören). ;)

--- Anwendung zur Herstellung einer emotionalen Verbindung ("Rapport") ---

Es geht darum, daß man sich wohlfühlt in einer Konversation, dann möchte man sie weiterführen und man wird angenehme emotionale Bindung gegenüber seinem Gesprächspartner zu empfinden beginnen (das ist eines der Grundprinzipien, die hinter dem, was man im Kontext von NLP als "Rapport" bezeichnet, stecken).

Visuelle und in geringerem Maße auditive Menschen haben da nicht so die Schwierigkeiten, da es ja viele davon gibt. Dennoch kann man hier natürlich ebenfalls optimieren (wie das geht zeige ich noch), aber kinesthätische Menschen leben aufgrund ihrer kognitiven Besonderheit oft in einer Art Isolation und fühlen sich unverstanden, etc... gerade das macht es aber leicht, solchen Menschen das Gefühl von tiefem Rapport zu schenken, wenn man weiß, wie das geht.

Ich gehe wieder zum Beispiel mit dem Urlaub in den Bergen zurück. In der Realität hatte ich es ja mit einem kinesthätischem Menschen zu tun, aber ich fange trotzdem mal mit dem häufigsten Fall - visueller Typ - an.

Visuell

Hat man es mit einem visuellen Menschen zu tun, dann empfiehlt es, um gut mit ihm kommunzieren zu können, visuelle Ausdrücke zur Beschreibung von Empfindungen und Sachverhalten zu benutzen.

Ein Beispiel wäre:

"Ich kann mir gut vorstellen, daß der rot leuchtende Himmel schön ausgesehen hat."

Auditiv

Das ist "pretty straightforward"... eine gute Antwort wäre gewesen:

"Das hört sich großartig an."

Auditive Menschen sind übrigens sehr häufig Musiker... könnte sich lohnen, hier nach einer hobbymäßigen oder beruflichen Beschäftigung zu fragen, große Augen des Erstaunens sind fast garantiert. ;)

Kinesthätisch

Noch leichter, wenn man das Prinzip verstanden hat, außerdem sehr wirkungsvoll, nicht nur für den Rapport. Meine Antwort lautete:

"Ich kann das gut nachempfinden, wenn man das Gefühl hat, von diesen unglaublichen, überwältigenden Eindrücken durchflutet zu werden."

Jemand, der nichts von diesen Prinzipien weiß, hätte sich auf sein oberflächliches Gefühl verlassen und wäre auf der visuellen (und hier oberflächlichen) Ebene geblieben und das Gespräch wäre flach verlaufen, aber durch die bloße Identifikation des Wahrnehmungskanals, der tatsächlich hinter der Wiedergabe der Schönheit des Sonnenuntergangs stand, konnte ich eine viel tiefere Ebene der Gefühlswelt, des Bewußtseins meines Gegenübers erreichen.

--- Ausblick (future pace - um auch das gleich mal zu erklären ;) ) ---

Probierts mal aus. Für mich war das das Erste, was ich jemals nutzen konnte aus dem Bereich NLP, lange bevor ich begonnen habe, mich ernsthaft damit zu beschäftigen, genau die Anwendung dieses Prinzips - und es hat mich bislang noch nie im Stich gelassen.
Doc Extropy
 

Zurück zu Wissenschaft und Technik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron